«Wo ein Wille ist, ist ein Weg»
«Wo ein Wille ist, ist ein Weg»

«Wo ein Wille ist, ist ein Weg»

Der von bildungkirche.ch organisierte Impulstag „Klima – Jugend – Zukunft“, der am 7. Juni in der von der Klimastreikbewegung umgenutzten Kirche Wipkingen stattfand, brachte junge Klimaaktivist*innen ins Gespräch mit Kirchenleuten. Gemeinsam wurde ausgelotet, was die Kirche beitragen kann, um notwendige Veränderungen in Politik und Gesellschaft zu bewirken.

Sara Stöcklin, theologie-erleben.ch

Klimastreikbewegung in der umgenutzten Kirche Wipkingen.

Mit einem persönlichen Erlebnis veranschaulicht Klimaaktivistin Annik, wie sie das Engagement der Kirche erlebt: Sie sei von einer Kirchgemeinde angefragt worden, im Rahmen eines Themen-Gottesdienstes einen Input zur Klimakrise zu halten. Als sie ihr Bedauern ausdrückte, dass es terminlich nicht passte, lautete die Antwort: «Jetzt musst du halt ein Jahr warten, bis wieder Schöpfungstage sind und wir dich erneut einladen können.» Annik erzählt die Anekdote lachend, aber die Kritik dahinter ist deutlich: Für die Kirche ist die Bewahrung der Schöpfung ein Thema, aber ein Thema unter vielen. Die Teilnehmenden mit kirchlichem Hintergrund stimmen ihr zu. So stellt Matthias Bachmann von der Abteilung Kirchenentwicklung in Zürich fest: Seit den achtziger Jahren haben sich in der Kirche immer Stimmen erhoben, die für das Anliegen der Nachhaltigkeit eintraten. Aber das Anliegen wurde nie zum «Mainstream».

Der Austausch im Plenum und in den Gesprächsgruppen zeigt etwas für manche Kirchenleute Überraschendes: die Klimaaktivist*innen nehmen die Landeskirchen als gesellschaftlichen Player mit Relevanz und Einfluss wahr. Die meisten von ihnen haben keinen Bezug dazu und brauchen sie nicht, aber, wie Aktivistin Fanny formuliert: «Wenn sie schon mal da sind, sollen sie ihre Verantwortung wahrnehmen und ihre Möglichkeiten nutzen.» Vor allem sollen sie, so sind sich die Aktivist*innen einig, nicht aus Angst vor Mitgliederverlust die politische Einmischung scheuen, wenn es darum geht, für die eigenen Werte und Überzeugungen einzustehen: «Nichts sagen ist auch ein Statement, damit unterstützt man den Status quo.»

Der Austausch im Plenum und in den Gesprächsgruppen zeigt etwas für manche Kirchenleute überraschendes.

Ebenfalls überraschend ist für manche der Teilnehmenden die ganzheitliche und realistische Perspektive die Klimaaktivist*innen. Sie sind sich der Zusammenhänge von Wirtschaft, Industrie, Technik, Politik und Gesellschaft schmerzlich bewusst und setzen sich nicht nur für Nachhaltigkeit, sondern für globale Gerechtigkeit ein. Und sie verdrehen gelegentlich die Augen, wenn «einmal mehr» nur Massnahmen auf individueller Ebene in den Blick kommen – wie der persönliche Flug- oder Fleischverzicht –, die zwar unverzichtbar sind, aber niemals genügen, um den Klimawandel aufzuhalten. Die Veränderung muss aus ihrer Sicht grundlegend und systemisch sein, Wirtschaft und Gesellschaft völlig neu gedacht werden.

Um dennoch konkret zu werden und im Kleinen Grosses zu bewirken, diskutieren die rund zwanzig Teilnehmenden im Schlussteil des Anlasses Ideen und Projekte für Kirchgemeinden und kirchliche Institutionen. Einige werden heute schon umgesetzt, andere würden sich die Klimaaktivist*innen wünschen: dass Kirchen ihre Räume zur Verfügung stellen, ihre Mitglieder mobilisieren, Anlässe klimaneutral organisieren, Energie sparen, sich zertifizieren lassen, Weiterbildungen machen und Kochkurse anbieten. Das Pfarrer*innen in Care Teams an Klimademos mitarbeiten oder sich im Talar vor die Kohlebagger werfen. Sowohl Klimaaktivist*innen als auch Kirchenleute stellen fest: Wo ein Wille ist, ist ein Weg.

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Noch mehr zum Thema erfahren? Hier gibt’s die passenden Links dazu:

www.klimastreikzh.ch/

https://christianclimateaction.ch/StrikeForFuture

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